Vom Hang der Leuchtenburg zum Erbstück
Handmacher von handgemacht Saale-Unstrut kreieren einen Tisch mit Geschichte
Es ist ein Werk mit Geschichte – gewachsen an den Hängen der Leuchtenburg, gefertigt in enger Zusammenarbeit regionaler Handwerker des Netzwerkes „handgemacht Saale-Unstrut“ und geprägt von persönlichen Begegnungen. Mit dem „Tisch Leuchtenburg“ präsentiert EINZ30, die Holzmanufaktur von Mathias Scheffel, ein außergewöhnliches Möbelstück, das weit mehr ist als ein massiver Esstisch.
Seit dem Start der Initiative handgemacht Saale-Unstrut treffen immer wieder Menschen, die sich im Netzwerk engagieren, aufeinander und kreative Ideen werden geboren. Aus diesen Ideen entstehen nicht selten neue Produkte. So entwickelte der Bonbonmann aus Zeitz mit Sole aus Bad Sulza Sole-Produkte, die es nur in Bad Sulza gibt. Fleischer Frank Schneider würzt ebenfalls mit Sole einen Teil seiner Wurstwaren.
Doch seit neuestem gibt es eine weitere Geschichte aus dem Netzwerk zu erzählen – die Geschichte, wie Matthias Scheffel von Einz30 mit Unterstützung von Lukas Nelkenbrecher von der Burgenlandschmiede einen einzigartigen Tisch herstellen konnte.
Begegnungen, die Form annehmen
„2016 starte ich in die Selbstständigkeit und darf von einem Schäfer aus dem Thüringer Holzland zwei Kubikmeter Robinienholz erwerben“, erinnert sich der Tischlermeister Mathias Scheffel. „Das Holz wurde zwei Jahre zuvor geschlagen, im regionalen Sägewerk zu Bohlen verarbeitet – geerntet an den Hängen der Leuchtenburg. Dort wo heute nach historischem Vorbild wieder Weinstöcke den Weg zur Burg säumen.“
Die Geschichte dieses Holzes ist untrennbar mit einem Aufbruch verbunden: Der Schäfer selbst ist nach dem Verkauf mit seinen Kindern auf einem Fuhrwerk mit vorgespannten Kühen nach Polen ausgewandert. „Mein Energieausgleich für das Holz hat ein Teil seines Wegs finanziert“, erinnert sich Mathias Scheffel weiter. Seitdem entstanden immer wieder Projekte aus dieser besonderen Robinie. Drei Bohlen jedoch blieben bewusst zurückgelegt.
„Drei Bohlen habe ich mir für etwas Besonderes aufgehoben. Ende des vergangenen Jahres reifte der Entschluss für einen letzten Tisch. Nachdem ich dann zum Advent in den Höfen in Naumburg noch die Besitzer der Weinberge kennenlerne, ist klar, dass es an der Zeit ist.“
Die Idee für das Gestell nahm Gestalt an – getragen vom Wunsch nach einem Gegenpol zur lebendigen Holzstruktur. Es sollte ein geschmiedetes, aber trotzdem klar gehaltenes Gestell werden.
Gemeinsam mit dem in Naumburg ansässigen Schmied und Handmacher Lukas Nelkenbrecher von der Burgenlandschmiede begann ein intensiver Gestaltungsprozess. Der Tischlermeister beschreibt die Zusammenarbeit als eine Mischung aus Freude am ästhetischen Handwerk und einer gehörige Portion Idealismus, die beide Hammacher eint.
Mit freier Hand und handwerklichem Abstimmungsprozess entsteht aufwändig ein passendes Tischgestell aus Stahl. Eine spezielle Versiegelung schützt die geschmiedete Oberfläche dauerhaft vor Korrosion.
Handwerk als Berührungserlebnis
Parallel entstand in der Werkstatt die Tischplatte – in Zusammenarbeit mit Julia, einer Auszubildenden im dritten Lehrjahr. Es wird gehobelt, verleimt, gefräst, geschliffen. Robinienholz gilt als noch widerstandsfähiger als Eiche und zeichnet sich durch eine ausdrucksstarke, wilde Maserung aus.
„Es hat eine ganz wunderbar wilde Maserung mit Charakter. Die kleinen Verwachsungen, auch Knospen genannt, machen den Tisch zu einem besonderen Unikat.“ Ein Riss im Holz wurde nicht verborgen, sondern bewusst gestaltet: „Ein etwa 50 cm langer Riss wird gefüllt und mit sogenannten ‚Butterfly‘ dauerhaft verbunden.“
Die schwalbenschwanzförmigen Einlagen fertigt der Tischler individuell aus Elsbeere – als feines, kontrastierendes Detail. Besonders behutsam wurde die natürliche Baumkante herausgearbeitet:
„Die Rinde wird sorgfältig entfernt, um die Kontur des Baumes zum Vorschein zu bringen. Insbesondere die kleinen Knospen wollen ruhig und besonnen bearbeitet sein. Hier wird Berührung zum Erlebnis. Sanft streicht die Hand immer wieder über das Holz, um auch die feinste Unebenheit zu erspüren.“
Für dauerhafte Stabilität sorgen präzise eingelassene Montagehülsen und zusätzliche Gratleisten auf der Unterseite: „So bleibt die Platte dauerhaft gerade.“
Ein Erbstück mit Haltung
Nach vielen Stunden des Schleifens und Ölens offenbart sich die Oberfläche „samten weich und geschützt“.
Der Tischler ist überzeugt: „Je feiner diese beiden Arbeitsschritte ausgeführt werden, je mehr kommt die natürliche Schönheit der Maserung zur Geltung. Dieser Aspekt macht Tische aus dem EINZ30 zum Erlebnis. Immer und immer wieder. Als Mittler zwischen Natur und deinen Wünschen.“
Der „Tisch Leuchtenburg“ steht exemplarisch für eine Haltung, die Regionalität, handwerkliche Präzision und persönliche Geschichten im Regionalnetzwerk „handgemacht Saale-Unstrut“ miteinander verbindet. Er ist nicht nur Möbelstück, sondern ein bleibendes Objekt – ein Erbstück.
