Berichterstattung der Bundesregierung

Zur Situation im Tourismus, Stand 02.04.2020

Bericht der Bundesregierung zur Lage der Tourismuswirtschaft infolge der Corona-Pandemie

Der Bericht ist am 02.04.2020 vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie für die Bundesregierung erstellt worden.

Aufstellungen der verschiedenen Maßnahmen und Planungen, welche inzwischen realisiert wurden bzw. weiter umgesetzt werden.

I. Betroffenheit der Tourismuswirtschaft
Der Tourismus in Deutschland ist infolge der Ausbreitung des Coronavirus dDer Tourismus in Deutschland ist infolge der Ausbreitung des Coronavirus derzeit zum Erliegen gekommen. Eine Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) unter rund 15.000 Unternehmen in Deutschland im Zeitraum 24. bis 26.03. belegt, dass Reisewirtschaft (mit 99,5 Prozent) und Gastgewerbe (mit 99,9 Prozent) die derzeit von den wirtschaftlichen Auswirkungen am stärksten betroffenen Branchen sind. Bei 40 Prozent der Unternehmen im Reise- und Gastgewerbe bestehe danach akute Insolvenzgefahr. Die Bundesagentur für Arbeit sieht den Verlust von Arbeitsplätzen im Tourismus als unausweichlich.

1. Outgoing/Touristik
Das Auswärtige Amt warnt seit dem 17.03. weltweit vor allen nicht notwendigen, touristischen Reisen. Die Reisewarnung gilt mindestens bis Ende April (d.h. einschließlich der Osterferien).
Der Umsatzausfall bei den deutschen Reiseveranstaltern und Reisebüros wird sich nach Hochrechnungen des Deutschen Reiseverbandes e.V. (DRV) im Zeitraum von Mitte März bis Ende April auf mehr als 4,8 Mrd. Euro summieren (Stand 19.03.). In der Reisewirtschaft rechnen laut DIHK-Umfrage vom 24. bis 26.03. 71 Prozent der Betriebe für das Gesamtjahr 2020 mindestens mit einer Halbierung ihrer Umsätze. Mehrere Reiseveranstalter geben an, dass sie ihre Geschäftstätigkeit bis Ende April ausgesetzt haben. Laut einer DRV-Umfrage vom 24. bis 26.03 unter fast 700 Unternehmen haben über 70 Prozent Kurzarbeit und ein Fünftel Überbrückungskredite beantragt. 66 Prozent der Unternehmen müssen der DIHK-Umfrage vom 24. bis 26.03. zufolge aufgrund der Corona-Pandemie Personal abbauen. Ca. 10.000 Reisebüros sind derzeit geschlossen.
Die Leitlinien von Bund und Ländern sehen u.a. ein Verbot von Reisebusreisen vor. Einer Online-Umfrage des Bundesverbandes Deutscher Omnibusunternehmer e.V. (bdo) vom 24. bis zum 26.03. unter mehr als 1000 Unternehmen zufolge geben 90 Prozent der Mittelständler im Bustourismus und im Fernlinienverkehr an, nach derzeitigem Stand nur noch bis maximal drei Monate überstehen zu können, 30 Prozent sogar nur noch bis zu vier Wochen. 83 Prozent der Unternehmen verzeichnen Einbußen über 75 Prozent. Der RDA Internationaler Bustouristik Verband e.V. (RDA) schätzt den Gesamtschaden infolge der Corona-Krise in der Bus- und Gruppentouristik auf 850 Mio. Euro (Stand: 27.03.).

2. Deutschland-Tourismus
Der internationale Tourismus nach Deutschland (Incoming) macht ca. 20 Prozent des Übernachtungsvolumens aus. Deutschland hat seine Grenzen zu Frankreich, Österreich, Luxemburg, zur Schweiz und nach Dänemark für den Touristenverkehr geschlossen. Bürger aus Nicht-EU-Staaten dürfen seit dem 18.03. für 30 Tage grundsätzlich nicht nach Deutschland einreisen. Die Deutsche Zentrale für Tourismus e.V. (DZT) erwartet für das Jahr 2020 zweistellige Einbrüche beim Incoming-Tourismus. Die Bundesländer Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern sowie alle norddeutschen Inseln sind für Touristen gesperrt.
Übernachtungen zu touristischen Zwecken sind nach den Leitlinien von Bund und Ländern zu untersagen. Gastronomiebetriebe in ganz Deutschland müssen geschlossen bleiben (ausgenommen sind nur Lieferung und Abholung mitnahmefähiger Speisen). Im Gastgewerbe rechnen der DIHK-Umfrage vom 24. bis 26.03. zufolge 54 Prozent der Betriebe für das Gesamtjahr 2020 mindestens mit einer Halbierung ihrer Umsätze. 71 Prozent müssen der DIHK-Umfrage vom 24. bis 26.03. zufolge aufgrund der Corona-Pandemie Personal abbauen. 223.000 Unternehmen des Gastgewerbes mit über 2,4 Millionen Erwerbstätigen (1.130.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte) sind akut bedroht.

II. Gespräche mit der Reisewirtschaft

Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie und Beauftragte der Bundesregierung für Tourismus Thomas Bareiß hat zu Beginn der Corona-Krise am 09.03. zu einem Runden Tisch mit den touristischen Spitzenverbänden geladen, um sich ein Bild von den Auswirkungen der Corona-Situation auf die Tourismuswirtschaft zu verschaffen. Zudem hat er einen Austausch mit dem Beirat für Fragen des Tourismus beim Bundesministerium für Wirtschaft und Energie und weiteren Verbänden eingerichtet. Telefonkonferenzen mit diesem Teilnehmerkreis fanden bisher am 09. und am 30.03. statt. Der beamtete Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie Dr. Ulrich Nußbaum steht im Rahmen einer regelmäßigen Telefonkonferenz im Austausch mit Wirtschaftsverbänden (zuletzt am 31.03., nächste am 03.04.). Vertreten sind hier u.a. DRV und DEHOGA. Zum Austausch mit der Tourismusbranche auf Fachebene werden die derzeit (auch digital) stattfindenden Zukunftsdialoge zur Nationalen Tourismusstrategie genutzt, zuletzt am 24.03.
Zur Bündelung aktueller Nachrichten, Fakten und Handlungsempfehlungen und als Orientierungshilfe für alle Akteure im Tourismus hat das Kompetenzzentrum Tourismus des Bundes im Auftrag des BMWi eine Website www.corona-navigator.de eingerichtet.

III. Liquidität der Veranstalter und Reisebüros/ Pläne der Bundesregierung

Kunden haben ein Recht auf kostenfreie Stornierung ihrer gebuchten Pauschalreisen. Die Rückerstattung bereits geleisteter Anzahlungen auf künftige Reisen bei weitgehend ausfallendem Neugeschäft stellt Reiseveranstalter und –vermittler vor zusätzliche Liquiditätsprobleme. Die Reisebüros sind bei Stornierung von Reisen Provisionsrückzahlungsforderungen ausgesetzt. Einige Reiseveranstalter verzichten lt. Presseberichten allerdings derzeit auf die Rückforderung der Provisionen gegenüber den Reisebüros.
Die Bundesregierung prüft derzeit mit Hochdruck die Möglichkeit einer Gutscheinregelung zur Unterstützung der Reisebranche; sie steht zu diesem Thema in engem Austausch mit der EU-Kommission und anderen Mitgliedsstaaten.
Die Bundesregierung hat zudem bereits umfangreiche, branchenoffene Unterstützungsmaßnahmen für Unternehmen auf den Weg gebracht, die auch Unternehmen der Tourismuswirtschaft zur Verfügung stehen. Diese werden laufend auf Verbesserungsbedarf überprüft. Bezüglich der vom Bund zur Verfügung gestellten Liquiditätsinstrumente liegen auch Anträge von Unternehmen aus der Tourismuswirtschaft vor.

IV. Rückholung von Urlaubern aus dem Ausland

Seit Ankündigung der Rückholaktion durch Außenminister Heiko Maas am 17.03.2020 sind über 190.000 deutsche Staatsangehörige nach Deutschland zurückgekehrt. Das Rückholprogramm hatte das Ziel, Urlauberinnen und Urlaubern sowie Menschen, die sich kurzfristig im Ausland aufhielten, und die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen, die Rückreise nach Deutschland zu ermöglichen vor dem Hintergrund von Grenzschließungen und dem nahezu erliegenden Flugverkehr weltweit. Mit etwa 180 Sonderflügen, organisiert vom Auswärtigen Amt, kehrten rund 46.000 deutsche Staatsangehörige aus Destinationen weltweit zurück nach Deutschland. In sogenannten TouristenHotspots ist die Rückholaktion bereits abgeschlossen. Aktuell stehen Ziele mit schwierigen Rahmenbedingungen im Vordergrund. Dank der Kooperation mit EUMitgliedstaaten und Drittstaaten konnten zahlreiche deutsche Staatsangehörige und EU-Bürgerinnen und –Bürger zurückreisen. So profitierten ersten Schätzungen zufolge bisher zirka 3.200 Menschen aus EU-Mitgliedstaaten von der deutschen Rückholaktion.

V. Internationale Organisationen

Die Welttourismusorganisation (UNWTO) hat ein virtuelles Global Tourism Crisis Committee aus Vertretern der wichtigen VN-Organisationen, der UNWTO-Mitgliedsstaaten (Leiter der UNWTO-Gremien) und der Tourismuswirtschaft etabliert. Sie hat zudem den Austausch zwischen und mit den Mitgliedstaaten (getrennt nach Regionen) über nationale Maßnahmen intensiviert. Begleitet wird der Informationsaustausch durch öffentliche Kampagnen und Botschaften.
Sowohl im Rahmen der G20 unter saudi-arabischer Präsidentschaft als auch im Rahmen der OECD findet gegenwärtig ein Austausch zur Betroffenheit von Tourismus und Tourismuswirtschaft und zu ergriffenen bzw. erwogenen Maßnahmen der Regierungen statt.

Das Dokument steht auch als PDF zum Download bereit.