Deutschland-Tourismus im Klimawandel

MAINZ. Der Deutschland-Tourismus boomt. Doch: Nichts wird so bleiben, wie es ist. Die Hotellerie muss sich den Veränderungen des Klimas stellen und Strategieumstellungen und Investitionen vornehmen. Dies ist ein Fazit des ersten Werkstattgesprächs der Initiative mittelständischer deutscher Zulieferer der Hotellerie und Gastronomie im Favorite Parkhotel Mainz, das von PR-Manager Michael Moritz moderiert wurde.

Andreas Matzarakis, Leiter des Zentrums für Medizin-Meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdiensts in Freiburg, brachte die Folgen des anthropogenen Klimawandels auf den Punkt: „Wir erleben mehr Trockenheit, Hitze, aber auch Niederschlag“, sagte er. „Wir werden normale Sommer mit viel Regen haben, dann aber wieder Sommer mit Hitze und zunehmender Schwüle von April bis Oktober und wenig Niederschlag.“ Im Prinzip herrsche ein höheres Temperaturlevel, dies habe bereits Auswirkungen auf den Tourismus, zum Beispiel durch Algenbildung an der Ostsee oder Schneemangel in den Mittelgebirgen. Die Voraussetzung, dass ein Skigebiet mindestens 100 Tage im Jahr schneebedeckt sein müsse, träfe höchstens noch für Lagen über 1000 Meter zu. Für den Deutschland-Tourismus sieht der Experte gute Chancen durch die Entwicklung neuer Konzepte wie Ausbau der Wanderwegnetze, neuer Angebote unter Einbeziehung der Weltkulturerbe oder der Religion – z.B. Jakobswege, Besichtigungen von Kirchen und Klöstern. Orte mit einem angenehmen Klima könnten dies in Zukunft entsprechend verpacken.

Das Thema Nachhaltigkeit platzieren und vorantreiben

Bereits 2013 habe die Deutsche Zentrale für Tourismus (DZT) Nachhaltigkeit zum Markenkern der Destination Deutschland gemacht, so ihr Innovationsmanager Olaf Schlieper. „Fridays for future erlebt derzeit einen Medienhype, aber die Zahl der Flugbuchungen steigt“, erklärte er. „Letzte Woche wurde der SUV verteufelt. Da muss man einfach nüchtern bleiben. Wir machen nichts, was nicht über die Marktforschung gesichert ist.“ Die Nachhaltigkeit des Deutschland-Tourismus weiter zu stärken und hervorzuheben sei wichtig. „Selbst große OTAs wollen künftig sichtbar machen, welcher Anbieter nachhaltig ist und bestimmte Reiseveranstalter fragen ganz gezielt nach nachhaltigen Regionen und Betrieben im Land.“ Die DZT hat ihre eigene Werbeveranstaltung Germany Travel Mart als Green Meeting zertifizieren lassen und damit ein außergewöhnlich gutes Feedback erzielt. „Deutschland zählt zu den 10 nachhaltigsten Ländern weltweit. Man muss damit mehr rausgehen und sich präsentieren. Ich wünsche mir mehr Selbstbewusstsein“, so Schlieper.

„Der DEHOGA hat schon seit über 10 Jahren einen Umweltcheck“, erklärte auch der hessische DEHOGA-Präsident Gerald Kink. Es gebe viele Vorreiterbetriebe, aber auch noch viele kleinere Betriebe, die man an die Hand nehmen müsse. Grundsätzlich müsse die Tourismusindustrie mehr Unterstützung aus Berlin bekommen. Und Orte und Regionen müssten ihre Infrastruktur verbessern. „Es ist zudem eine Herausforderung, die Serviceerwartungen zu erfüllen“, erklärte er. „Wir müssen am Ende des Wanderwegs auch eine Einkehrmöglichkeit bieten, die nicht nur an vier Tagen in der Woche geöffnet hat.“ Kink ist davon überzeugt, dass es eine Veränderung des europäischen Reisens geben werde. „Kurzflüge werden nicht mehr so leicht durchzusetzen sein“, sagte er. B-Destinationen oder ländliche Regionen könnten als Kurzreiseziele profitieren.

Gäste erwarten zunehmend Klimaanlagen

Die Ferienhoteliers Jens Sroka von den Heimathafen Hotels und Hannes Bareiss vom Hotel Bareiss im Schwarzwald berichteten über betriebliche Veränderungen. So sei der zunehmende Wunsch nach Klimaanlagen an beiden Destinationen dem guten Wetter geschuldet. „Wir haben inzwischen auch die Loftbutzen in unserer Bretterbude klimatisiert und verlangen damit 10 Euro mehr für das Zimmer. Unsere Gäste sind bereit, dies zu bezahlen,“ so Sroka. Der Klimawandel sowie die Schwierigkeit, Saisonmitarbeiter zu finden, zwingt inzwischen viele Hoteliers zur Ganzjahresöffnung. Folge sind Investitionen in Ganzjahresangebote, bei den Heimathafen Hotels beispielsweise in hausinterne Kinos, Wellnessbereiche und Bars. Zur Nachhaltigkeit berichtete Sroka von Müllsammel-Aktionen mit Gästen und der Teilnahme des Hotels an der jährlichen Strandreinigungsaktion Ocean Clean-up. Seine Häuser beziehen 100 Prozent Strom aus erneuerbaren Energien, beim Hotelbau kämen regionale Firmen und Materialien zum Zug. Unter dem Motto „Go green“ können Gäste zudem entscheiden, ob sie ihre Zimmer täglich reinigen lassen wollen. Für jeden Verzicht spendet das Hotel 5 Euro an eine gemeinnützige Organisation, gleiches gilt für Gäste mit Bahnanreise. Im Schnitt verzichteten 10 Zimmer pro Tag auf die Reinigung. E-Tankstellen sind ebenso selbstverständlich wie die unverpackte Butter auf dem Frühstücksbuffet. „Die Gäste sagen uns, was sie wollen,“ erklärte der Hotelier. Man führe viele Gespräche mit Lieferanten, u.a. auch darum, wie es vermieden werden können, Paletten mit Waren stets so dick in Plastik einzupacken. Viele Impulse zum Thema Nachhaltigkeit kämen dabei von jungen Mitarbeitern.