Personalsuche in der Ukraine

Auch Frank Wyszkowski, Geschäftsführer des Acamed Resorts in Nienburg an der Saale, und sein Personalchef Monty Weisbach haben sich hier viele Gedanken gemacht – und nun ein eigenes Projekt in die Tat umgesetzt: eine deutsche Sprachschule in der Ukraine, genauer gesagt in Biloberizka, einem 1200-Einwohner-Dorf in den Karpaten. Ziel ist es, mit der Ende 2019 gegründeten Schule sprachliche Barrieren aus dem Weg zu räumen und die Voraussetzungen für eine künftige Ausbildung von Ukrainern in Deutschland zu schaffen.

Als Hotel-Spezialist in die Karpaten
Der Idee voran ging Wyszkowskis Teilnahme an der TV-Dokumentation „Spezialisten in der Ukraine“ des ukrainischen Fernsehsenders 1plus1. Darin tauschen Spezialisten verschiedener Branchen und Länder eine Woche lang ihre Arbeitsplätze. So auch Hotelchef Frank Wyszkowski mit der angehenden Hoteldirektorin Viktoria vom Hotel Mizhgirya nahe Biloberizka. Das die Wahl des Senders auf das deutsche 90-Zimmer-Hotel fiel, hatte Wyszkowski dabei ukrainischen Studenten der Hochschule Anhalt zu verdanken, die bei ihm als Aushilfen arbeiten. „Anfangs war ich schon etwas skeptisch“, sagt der 32-jährige Hotelchef, der das TV-Experiment allerdings mit Bravour meisterte.

Die einstündige Sendung ist längst ausgestrahlt, doch die Kontakte, die Wyszkowski vor Ort zu Bürgermeister Dmytro Iwanjuk und der Region knüpfen konnte, sind geblieben. Ein Resultat ist nun die Sprachschule. Denn: „In der Ukraine mangelt es nicht an Bewerbern, aber an Stellen“, weiß Wyszkowski. Allerdings sei die größte Hürde, um sie für einen Hoteljob nach Deutschland zu holen, die Sprache. „Wenn die nicht beherrscht wird, bringt es nichts“, sagt er.

Die Idee zur Sprachschule habe auch deshalb Form angenommen, weil das Projekt für ein Unternehmen seiner Größenordnung noch finanzierbar sei, so der Hotelchef. Pro Halbjahr zahlt er einen Pauschalbetrag, über dessen Höhe Stillschweigen vereinbart wurde, an die Gemeinde Biloberizka. Damit werden Schulbücher und die Deutschlehrer finanziert. Die Sprachschule selbst ist in Räumen der Gesamtschule des Ortes angesiedelt. Seit Jahresanfang nehmen 15 Schüler zweimal wöchentlich am zweistündigen Deutschunterricht teil. Ziel ist es, dass sie das A2-Niveau erreichen und die deutsche Sprache elementar anwenden können. „Die weitere Verfeinerung der Sprachkenntnisse kann dann in Deutschland erfolgen“, so Wyszkowski.

Etwa 50 Auszubildende sollen so in den nächsten zweieinhalb Jahren sprachlich auf eine Lehrstelle bei interessierten Betrieben aus Gastgewerbe und Handwerk im Salzlandkreis vorbereitet werden. Das haben Frank Wyszkowski und Monty Weisbach mit dem örtlichen ukrainischen Arbeitsamt vereinbart. Sie selbst wollen fünf Azubis in ihr Haus holen. Dabei unterstütze man nach Kräften, sei es, dass das Hotel die Hälfte der Reisekosten übernehme oder Unterkünfte angemietet habe.

Integration vorleben, langfristig denken
Laut Wyszkowski zählt sein Resort in puncto Integration bereits zu den Vorreitern im Salzlandkreis. Ein Drittel seines 60-köpfigen Teams stellten Mitarbeiter aus Indonesien, Rumänien, Russland, Lettland oder auch Frankreich. „Integration muss gelebt werden“, betont er. „Wir unterstützen bei Behördengängen, der Kontoeröffnung, bei der Freizeitbeschäftigung oder beim Führerschein. Und ganz wichtig: Gleiche Bezahlung für alle.“

Wyszkowski denkt bereits weiter: Für eine Zertifizierung der Sprachschule wurden Gespräche mit dem Goethe-Institut aufgenommen, über das künftig die Sprachprüfungen erfolgen sollen. Langfristig will er das Sprachprojekt zudem auf mehrere Orte ausdehnen und eine kleine Hotelfachschule integrieren. Denn: „Das Projekt soll nicht nur zwei, drei Jahre laufen“, betont Wyszkowski dessen Nachhaltigkeit. Prinzipiell würde er auch gern mehr gelernte Fachkräfte aus der Ukraine rüberholen. Doch die Auflagen des Einwanderungsgesetzes seien für ukrainische Fachkräfte ungleich höher, kritisiert er. „Laut Gesetz dürfen nur Spezialisten mit Studium nach Deutschland kommen. Für das Gastgewerbe ist das zu kurz gedacht.“

Doch zunächst geht es im März erneut für eine Woche in die Ukraine – „um das Projekt und verschiedene Ausbildungsberufe an mehreren Schulen zu präsentieren“. Hoteliers, die auch an einer Vermittlung ukrainischer Azubis interessiert sind, stellt Wyszkowski gern den Kontakt her.