Perspektiven für einen kontrollierten Neustart des Tourismus in Sachsen-Anhalt
LTV-Vorstand und Landesverband DEHOGA haben sich am Wochgenende zu einem gemeinsamen Positionspapier verabredet, mit dem Sie Branchenvertreter dazu einladen, sich in einer gemeinsamen Task force der Politik zur Verfügung zu stellen, um bei den nächsten vorsichtigen Schritten zur Branchenbelebung mit geeigneten Maßnahmen begleiten zu können. Die Einbindung der Kollegen aus der Praxis ist notwendig, um die Maßnahmen gezielt und wirkungsvoll entscheiden zu können. Vor allem Transparenz bei der Begründung von Entscheidungen ist jetzt gefragt. Dazu Wollen wir gern beitragen, lassen LTV VForsitzender Zimmer und DEHOGA-Präsident Schmidt vernehmen.
Inhalt des Papiers:
Seit sechs Wochen leben wir in Deutschland und in unserem Bundesland mit der Erkenntnis, dass ein weltweit grassierendes Virus droht, das gesellschaftliche Leben lahm zu legen, will man nicht menschliche Opfer ungeahnter Dimension riskieren. Der erste gravierende Schritt war Anfang März 2020 die Absage der ITB und seither haben ab Mitte März drastische Verordnungen gegriffen, die sich auf die Eindämmung der COVID-19-Pandemie konzentrieren, um die Situation für das Gesundheitswesen beherrschbar zu gestalten.
In einer neuerlichen Krisensitzung am 15.04.2020 zwischen Bundeskanzlerin Merkel und den MinisterpräsidentInnen der Länder lautete das Fazit: „Wir stehen auf dünnem Eis.“ Getroffene Maßnahmen waren erfolgreich, was das Fortschreiten der Infektionszahlen betrifft, aber die Wirtschaft leidet unter dem Druck der verordneten Einschränkungen. Ab dem 20.04.2020 sind gegenüber dem vorherigen 14-Tage Zeitraum erste Lockerungen bis 3. Mai 2020 vereinbart, wie die Wiederöffnung von Einzelhandelsgeschäften bis 800 m². Für gastgewerbliche und Unterkunftsbetriebe sind jedoch noch keine Lockerungen in Sicht gestellt.
Keine leichte Zeit für unsere Branche – sind doch nach Einschätzung des DEHOGA Bundesverbandes bis zu einem Drittel der Unternehmen in ihrer Fortexistenz gefährdet. Trotz Kurzarbeitergeld und einem Soforthilfeprogramm im Land Sachsen-Anhalt, das über die Grenze der Bundeshilfen hinausgehend Betriebe mit bis zu 50 MitarbeiterInnen berücksichtigt, wird nun die Luft dünn für die Branche. Angebotene Kredithilfen bilden eine gefährliche Verlagerung der Probleme in die Zukunft, denn das Bett, der Stuhl und der Teller können nur einmal verkauft werden und zum Betriebsergebnis beitragen.
Tourismus- und Wirtschaftsexperten sind sich darin einig, dass nun andere Hilfen greifen müssen. Jetzt braucht es klare Botschaften und Perspektiven für die Branche. Erste Reaktionen gab es am Wochenende nach der Kanzler-Runde von Bundesfinanzminister Scholz und Bundeswirtschaftsminister Altmaier darauf, dass die Botschaft angekommen sei. Der Tourismus gehört auf die Agenda. Dafür setzen sich der Tourismusverband Sachsen-Anhalt und der DEHOGA Landesverband Sachsen-Anhalt gemeinsam ein.
Wie sieht das im Land konkret aus:
• Der Tourismusverband Sachsen-Anhalt, DEHOGA, die Investitions- und Marketinggesellschaft Sachsen-Anhalt und viele Tourismuspartner schließen sich der Kampagne von DTV und DRV unter dem Titel #verschiebdeinereise - Auf Wiedersehen in Sachsen-Anhalt an. Damit fordern sie potenzielle Gäste auf, sich mit der Branche zu solidarisieren, statt Stornierungen eher Umbuchungen in Erwägung zu ziehen und Anzahlungen auf den Urlaub in den Unternehmen zu belassen, bis wieder gereist werden darf.
• Die Sommer-Saison für Auslandsreisen bleibt unberechenbar, jedoch arbeiten wir eifrig daran, den Ausstieg aus dem derzeitigen Corona-Lockdown schrittweise und kontrolliert auf Landesebene zu vollziehen. Es bedarf konkreter Maßnahmen und Festlegungen, um eine schrittweise Öffnung von Betrieben und Angebotssegmenten zu realisieren.
• Dass die bis 3. Mai getroffenen Entscheidungen von großer Sorgfalt in der Abwägung von Gesundheitsinteressen und der Freiheit des Einzelnen, der wirtschaftlichen Begrenzungen für ganze Branchen und den Risiken eines erneuten Aufflammens der Infektion erfolgte, zeigt die bewundernswerte Einigkeit im Vorgehen der Länder. Doch nun gilt es, vielleicht zu differenzieren und die Ansteckungsrisiken sorgsam abzuwägen.
• LTV und DEHOGA fordern dazu auf, dass unter Beteiligung von Kammervertretern, Betroffenen aus der Branche, den Gesundheitsämtern, Kulturveranstaltern und des Marketings eine Task Force unmittelbar ihre Arbeit aufnimmt und beratend den Entscheidern aus der Politik zur Seite steht, um geeignete Lösungsansätze vorzubereiten, die in die Zukunft weisende und planbare Szenarien möglich machen. In jedem Fall müssen die Betriebe und Veranstalter sich rechtzeitig auf neue Situationen einstellen können.
