Re-Start des Deutschlandtourismus
Perspektiven für einen kontrollierten Neustart, DTV Positionspapier
Der Deutsche Tourismusverband sieht den Neustart des Deutschlandtourismus als einen zielge-richteten und gleichzeitig flexiblen Prozess. Ziel muss es sein, zur Stärke des Deutschlandtouris-mus zurückzukehren. Dieses Perspektivpapier hat deshalb einen offenen Charakter. Es wird ständig entsprechend der Dynamik der Krise angepasst und fortgeschrieben.
Der Ausstieg aus dem derzeitigen Corona-Lockdown kann nur schrittweise und kontrolliert erfolgen. Bei der Erstellung eines geeigneten Phasen- und Aktionsplans für die Lockerungen der Maßnahmen haben der Schutz der Gesellschaft und die Gesundheit oberste Priorität, insbeson-dere der Risikogruppen mit rund 20 Mio. Menschen.
Bei der Erarbeitung geeigneter Kriterien und Verfahren zur Lockerung der Kontaktbeschränkungen sind die Belange des Deutschlandtourismus mit rund 3 Mio. Beschäftigten im Besonde-ren zu beachten. Die Tourismusbranche ist von den Einschränkungen der Corona-Pandemie als erstes und am stärksten betroffen. Ob Gastgewerbe, Restaurants, Stadtführungen oder Museen und Kultureinrichtungen - alle Bereiche der touristischen Wertschöpfungskette sind fast voll-ständig zum Erliegen gekommen. Die Tourismusbranche hat sehr geschlossen und konsequent den Shutdown trotz immenser wirtschaftlicher Verluste aktiv unterstützt. Diese werden sich im Gegensatz zu anderen Branchen nicht mehr aufholen lassen. Nach der Hochrechnung der dwif-Consulting GmbH hat der Deutschlandtourismus allein für die Monate März und April Umsatzeinbußen von rund 24 Mrd. Euro hinzunehmen. Üblicherweise werden in den beiden Monaten zusammen etwa 70 Mio. Übernachtungen gezählt.
Notwendig sind nun eine stufenweise Lockerung sowie Anpassung der Maßnahmen, um den Akteuren des Tourismus eine Perspektive für ihr weiteres wirtschaftliches Handeln zurückzuge-ben, aber auch der Bevölkerung einen neuen Rahmen in der Bewegungsfreiheit zu ermöglichen. Die volkswirtschaftlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen müssen durch ein Monitoring hinreichend untersucht werden. Die Politik auf Bundes- und Landesebene ist gefordert, den ge-samten Neustart-Prozess zu begleiten und mit einer klaren Kommunikationskette für Leis-tungsträger und Gäste zu verknüpfen. Die bisherige erfolgversprechende Kommunikations-struktur mit Hotlines und der Möglichkeit, jederzeit Fragen nach dem Umgang mit den Verord-nungen zuzulassen, sollte beibehalten werden. Der Deutsche Tourismusverband spricht sich für die folgenden deutschlandweit einheitlichen drei Grundsätze eines Neustarts des Deutschlandtourismus aus:
1.Der Neustart sollte so allgemein wie möglich für ganz Deutschland erfolgen mit weit-gehend einheitlichen Regeln einer Öffnung und klaren Vorgaben für die Betriebe.
2.Der Neustart sollte dabei auch die spezifische Situation von Regionen oder besonders zu schützenden Einrichtungen beachten.
3.Der Neustart sollte vor allem schrittweise erfolgen. Mit Blick auf ein längerfristiges und mehrstufiges Ausstiegsszenario ist eine weitgehend einheitliche Betrachtung aller Angebotsbereiche des Deutschlandtourismus zwingend notwendig.
Unterscheidungen nach Marktsegmenten (Reisedauer, Urlaubsform) sowie nach Personen- und Altersgruppen sind hinsichtlich der Rücknahme der Beschränkungen individuell zu bewerten. Grundsätzlich müssen Mindestabstandsgebote und Hygienevorschriften für alle gleichermaßen gelten. Um diese einhalten zu können, muss für die Betriebe und Einrichtungen ein Zugang zu dem benötigten Material sichergestellt werden. Die folgenden Maßnahmen könnten einen kontrollierten Re-Start ermöglichen, vorausgesetzt, dass die bisherigen Schutzmaßnahmen die Ausbreitung des Virus wirksam verlangsamt haben:
- Touristische Angebote insbesondere dort zulassen, wo die touristischen Akteure in der Lage sind, die Besucherzahlen zu lenken und wo Besucher sowie Personal hinreichend räumlich Distanz zueinander haben. Dass betrifft Urlaub- und Freizeitaktivitäten ebenso, wie den Geschäftsreise- und Tagungstourismus.
- Erlaubnis für kontaktarme touristische Angebote mit möglichen Auflagen bzgl. der Per-sonenzahl sowie von Freizeitausflügen im Familienverbund und Zulassung einer autar-ken touristischen Mobilität.
- Stufenweise Öffnung der Beherbergungsbetriebe wie Hotels, Ferienwohnungen, Cam-pingplätze u.a. mit klaren Vorgaben hinsichtlich der jeweils erforderlichen Abstands- und Hygieneregeln sowie Zurverfügungstellung des notwendigen Material. Dabei sollten touristische Betriebe auch bei betriebswirtschaftlich nicht rentablen Öffnungszeiten weiterhin Zugang zu finanziellen Unterstützungshilfen erhalten.
- Eine schrittweise Öffnung jetzt geschlossener Unternehmen und Dienstleister, beispiels-weise im Bereich der Gastronomie und im Einzelhandel. Der Einzelhandel könnte in Abstimmung mit den Gewerkschaften auch sonntags öffnen und Umsätze erzielen und da-mit Besuchsspitzen verhindern.
Die bisher beschlossenen Maßnahmen und finanziellen Unterstützungsangebote auf Bundes- und Landesebene wie Liquiditätshilfen und nicht rückzahlbare Zuschüsse waren richtig und notwendig. Nunmehr wird es darauf ankommen, durch geeignete Förderprogramme die unter-schiedlichen Betriebe im Tourismus in der Folgezeit zu stabilisieren. Diese Programme müssen mittel- bis langfristig wirken und Umsatzausfälle, die anders als beispielsweise im verarbeiten-den Gewerbe im Deutschlandtourismus nicht mehr nachgeholt werden können, kompensieren helfen. Es bedarf insgesamt staatlicher Konjunkturprogramme für Investitionen in die touristi-sche Infrastruktur. Durch öffentliche Aufträge kann die weggebrochene private Nachfrage zu-mindest teilweise kompensiert werden.
Seit 1902 setzt sich der Deutsche Tourismusverband e.V. für eine erfolgreiche touristische Ent-wicklung in Deutschland ein. Als Dachverband kommunaler, regionaler und landesweiter Tourismusorganisationen vertritt der DTV die Interessen seiner Mitglieder gegenüber Politik und Behörden, setzt Impulse, vernetzt Akteure miteinander und fördert einen zukunftswei-senden Qualitätstourismus im Reiseland Deutschland.
