Robin Pietsch: "Wenn der ganze Mist vorbei ist, freuen wir uns umso mehr"
Coronakrise
Herr Pietsch, das ist ja ein Wechselbad der Gefühle: Erst die große Freude über den neuen Michelinstern für das Pietsch und die Bestätigung der Auszeichnung für das Zeitwerk und dann der Corona-Schock.
Wie gehen Sie damit um?
Pietsch: Zuerst muss gesagt werden, wir haben uns alle im Team sehr über die Verteidigung des Sterns im Restaurant Zeitwerk und dem neuen Stern für mein gerade erst eröffnetes Restaurant Pietsch gefreut. Die Vergabe der Sterne ist tatsächlich durch das anhaltende Corona-Thema in Deutschland etwas untergegangen - auch wenn das sehr schade ist. Es war aber die richtige und eine sehr vernünftige Entscheidung vom Guide Michelin die Verleihung abzusagen. In den Betrieben haben wir genau am 16. März ein Krisenmeeting einberufen und angesichts des kuriosen Behörden-Wirrwarrs entschieden, sofort die Läden zu schließen, zum Schutz der Mitarbeiter, der Gäste sowie aus Verantwortung der Gesellschaft gegenüber. Wir werden demnächst unsere Gäste nochmals persönlich kontaktieren und bedanken uns schon jetzt für das Verständnis. Wir gehen vorsichtig davon aus, den Betrieb ab Mitte/Ende April eventuell wieder aufzunehmen, wenn die Behörden grünes Licht geben. Wenn der ganze Mist vorbei ist, freuen wir uns umso mehr, wenn die Gäste uns und allen Kollegen die Bude wieder einrennen, unsere Menüs futtern und den Weinschrank leertrinken.
Bieten Sie Abhol- und Lieferservice an?
Pietsch: Nein - das ist konzeptionell nicht umsetzbar und ich möchte keineswegs einen Qualitätsabfall in Kauf nehmen.
Erfahren Sie Solidarität von Geschäftspartnern wie Vermieter und Zulieferern?
Pietsch: Durchweg - doch glücklicherweise bin ich ebenfalls ein vernünftiger Geschäftsmann und habe keine ausstehenden Posten ... Daher gab es keine großen Gespräche. Zwecks Vermieter steht das Gespräch noch aus.
Machen Sie Solidar-Aktionen?
Pietsch: Ich mache, wie viele Kollegen, mit bei „Kochen für Helden“ (siehe pdf unter Anhänge).
Haben Sie schon Hilfen beantragt - und wenn ja, welche?
Pietsch: Ich habe Kurzarbeit für alle Mitarbeiter sowie Corona-Soforthilfe beantragt.
Wie hat das funktioniert?
Pietsch: Das war eigentlich unbürokratisch und sehr einfach, jedoch bis jetzt (Stand 1. April) gab es noch auf keinen der Anträge eine Rückmeldung.
Wie finden Sie die Hilfsprogramme?
Pietsch: Grundsätzlich ein guter Ansatz - mit viel Luft nach oben.
Machen Bund und Länder in der Krise für die Branche einen guten Job?
Pietsch: Eine gute Frage, doch ich denke, eine Antwort darauf zu geben, wäre zu früh.
Was könnte noch helfen?
Pietsch: Eine bessere Aufklärung, vernünftigere und einheitliche Aussagen zur Situation und eine schnellstmögliche Umsetzung der Hilfsangebote wäre wichtig. Doch auch hier denke ich, wäre es verfrüht eine Aussage zu treffen, wenn noch keines der Hilfsprogramme gegriffen hat.
Wie lange können Sie eine solche Situation durchhalten?
Pietsch: Ich habe in den vergangegen Jahren sehr gut gewirtschaftet und sollte Kurzarbeit für alle Mitarbeiter eintreten, fällt der größte Posten weg. Somit sind es nur noch die Umsatzverluste, die weh tun.
Wie bleiben Sie dennoch positiv?
Pietsch: Zuerst - ich bin ja nicht allein in dieser Situation und leider sind uns allen derzeit die Hände gebunden. Natürlich ist es eine neu einzuordnende und surreale Situation. Jedoch war ich noch nie ein Mensch der negativ denkt - wenn doch auch gerade nicht viel Positives mit der Situation einhergeht. Wir haben uns einfach eine andere Aufgabe, eine Ablenkung gesucht und kochen in der schwierigen Zeit für ein tolles Projekt, wo wir täglich ganz viele glückliche Gesichter sehen dürfen.
