Spektakulärer Bücherschatz in Halberstadt gefunden
Hunderte Fundstücke
Eine Bibliothekarin nahm ihren neuen Job sehr ernst und hat auch die verborgenen Winkel des Städtischen Museums Halberstadt durchforstet. Was sie dabei fand, ist sensationell: zehn Kisten voller Bücher, Handschriften, Drucke – in hervorragendem Zustand! Museumschefin Antje Gornig erläutert, was mit dem Bücherschatz nun geschehen soll.
Einen wertvollen Fund von 380 Büchern, wertvolle Handschriften, hochwertigen Handschriften und historische Drucke aus dem 17. und 18. Jahrhundert hat das Städtische Museum in Halberstadt gemacht. Zehn Kisten voller historischer Schätze sind aufgetaucht und werden nun gesichtet und zugeordnet. Denn nicht alles gehört tatsächlich nach Halberstadt, wie die Leiterin des Museums, Antje Gornig, im Gespräch mit MDR KULTUR sagte. Das Museum habe vor, die Besitztümer zurückzugeben, wenn für eine ordnungsgenäße Lagerung der zum Teil sensiblen Handschriften und mittelalterlichen Foliobände aus dem 17. Jahrhundert gesorgt werden kann.
"Wir werden einen großen Teil zurückgeben. Ein Teil wird aber auch in Halberstadt verbleiben, weil wir damit arbeiten und forschen."
Antje Gornig, Leiterin des Städtischen Museums Halberstadt
Der Fund ist einer engagierten, neuen Bibliothekarin zu verdanken, so Gornig und fährt fort, "der glückliche Umstand war, dass sie wirklich losgelegt hat, in den tiefsten Schichten unserer Magazine zu wühlen und zu suchen. Und sie hat tatsächlich diese Kisten zu Tage gefördert. Schon zuvor seien immer wieder Bücher aus Oschersleben in der Bibliothek aufgefunden worden und hätten für Fragen gesorgt.
Vergessene Enteignungen
Nadine Panteleon zeigt einen Druck des 19. Jh. mit persönlicher Widmung aus dem Umfeld der Familie Rimpau (im Hintergrund Archäologe Tobias Schoo und Antje Gornig) Bildrechte: Pressestelle Stadt Halberstadt
Es gab die Enteignungen der Nazizeit aber auch zu DDR-Zeiten, als Museen oder Kultureinrichtungen reihenweise aufgelöst wurden und Bücher, Objekte, Exponate an andere Orte verbracht wurden, so Gornig. Das sei dann vergessen worden. So ist es auch in den 1960er-Jahren mit dem Heimatmuseum Oschersleben geschehen, weswegen jetzt der große Fund der Museumsbibliothek von Oschersleben inklusive Handakten und Inventarbüchern zum Vorschein kam. Die Nachfolgeeinrichtung des Heimatmuseum Oschersleben ist heute das Börde-Museum Burg Ummendorf. Deren Leiterin Frau Dr. Nadine Panteleon sich bei einer gemeinsamen Besichtigung des Fundes "hellauf begeistert und teilweise sprachlos", so Gornig.
Einblick in ländliches Leben
Das Besondere am 400 Jahre alten Halberstädter Bücherfund ist, dass es sich nicht um einen der viel häufigeren städtischen Bestände handle, sondern um ländliche Gebiete, alte Handschriften von Rittergütern, kleinen Gemeinden mit Rechnungen, dem Kornregister oder dem Bevölkerungsregister.
Sie stellen das kulturelles Gedächtnis der kleinen Gemeinden dar. In städtischen Bestände sei so etwas überall vorzufinden, nicht jedoch in ländlichen Regionen, so Gornig.
"Ein Mikrokosmos der damaligen Zeit. Das kulturelle Gedächtnis dieser kleinen Ortschaften ist sozusagen wieder aufgefunden worden."
Antje Gornig
Auch der Erhaltungszustand ist bemerkenswert, was auch dem Umstand geschuldet ist, dass man gar nicht um die alten Werte wusste und sie Jahrzehnte verplompt in den Kartons existierten. Kein Brand und kein Wasserschaden habe ihnen Schaden zufügen können.
"In den Kartons ist nichts mit ihnen passiert. Die sind also in einem hervorragenden Zustand!"
Antje Gornig über den Zustand der Fundstücke
Historische Familiengrüße
Unter den Funden befinden sich beispielsweise Drucke mit Widmungen u.a. von Wilhelm von Bode, dem Erbauer des Berliner Bode-Museums. Er kam aus der Börde, hatte dort familiäre Kontakte, so dass er Bücher mit Widmungen dorthin geschickt hat, sagt Gornig.
Auch komplette ökonomische Lexika aus dem 18. Jahrhundert habe man gefunden, 90 komplette Bände, wie es sie heute nicht mehr gäbe.
