Tourismucscamp 2019 in St. Peter-Ording
Das Tourismuscamp 2019 wurde nun zum 12. Mal von Tourismuszukunft organisiert. Vom 18.-20.01. trafen sich 150 Teilnehmer aus ganz Deutschland in St. Peter-Ording.
Destination braucht Werte um authentisch zu sein
Eine Destination ohne Werte ist eine leere Hülle. Darin sind sich die Teilnehmer des 12. Tourismuscamps in St. Peter-Ording in der Session „Von der Psychologie des Reisens“ einig. Wie schafft man es aber, für bestimmte Werte zu stehen und somit Authentizität zu erzeugen? „Wenn die Einwohner einer Region im Innenleben nicht selbst für das stehen, was eine DMO versucht über Marketingmaßnahmen nach außen zu transportieren, ist man unglaubwürdig“, sagt Benjamin Buhl, Geschäftsführer der netzvitamine GmbH. Die Gefahr dabei: „Je mehr Tourismus irgendwo stattfindet, desto schwieriger wird es, als Ort authentisch zu bleiben“, sagt Constanze Höfinghoff, Tourismus-Direktorin von St. Peter-Ording. Denn Tourismus sei „ein komplexes soziales Gebilde, bestehend aus den Bedürfnissen von Einwohnern und Gästen“. Viele DMO-Vertreter beobachten im emotional aufgeladenen Reiseumfeld bei vielen Gästen auch die Sehnsucht nach dem Wiederfinden von Kindheitserinnerungen. Diese liefen psychologisch teils den Bestrebungen vieler DMOs entgegen, immer mehr ausländische Gäste anlocken zu wollen. „Immer mehr ausländische Gäste führen zu interkulturellen Konflikten“, so eine Teilnehmerin. Authentizität und Identität seien für Gäste an solchen Orten „immer schwerer zu finden“.
Weiterbildung im Tourismus - Ein schlecht organisiertes Feld
Das Thema Weiterbildung wird in DMOs und touristischen Betrieben nicht weitergedacht. Das ist das Ergebnis einer der Sessions des Tourismuscamps in St. Peter-Ording. „Vielmehr hockt jeder auf seinem Content“ sagt Anja Kummer, Vertriebsleitung Best Fewo. Ein sinnvoller Austausch untereinander finde nicht statt. Ein Beispiel für diese Nicht-Praxis nennt Anja Wendling, stellvertretende Geschäftsführerin Rheinland-Pfalz Tourismus: „Bei den Leitfäden fürs Auslandsmarketing wird das sehr deutlich. Hier erarbeiten LMOs und DMOs alle eigene Infos, obwohl man teils dieselben Quellmärkte hat.“ Ein weiteres großes Problem sehen die Teilnehmer in der Kommunikation von passenden Weiterbildungsangeboten. „In Richtung Endkunden wird sehr genau überlegt, wo und wie welches Angebot kommuniziert werden muss, damit es erfolgreich ist. Bei Weiterbildungen im B2B-Bereich soll nach wie vor eine E-Mail an den Gesamtverteiler reichen“, fasst Bastian Hiller, Gründer von teejit, die Situation zusammen. Im Ergebnis müssten dann viel zu oft Seminare wegen Teilnehmermangels abgesagt werden – „oder es sitzen die falschen Leute drin“. Auch eine Online-Offline-Verknüpfung von Weiterbildungsangeboten finde in der Branche quasi noch nicht statt. Dazu, so die Einschätzung vieler Teilnehmer, würde das Thema noch in zu vielen DMOs als reiner Kostenfaktor betrachtet.
