VUSR plant Qualitätssiegel für Reisemittler
Anfang August forderte der VUSR, dass Reisemittler künftig ein „Mindestmaß an Qualifikation“ vorweisen sollten – jetzt lässt der Reisebüroverband ein entsprechendes Maßnahmepaket erarbeiten.
Geplant ist ein Aus- und Weiterbildungsprogramm für den stationären und mobilen Vertrieb, das mit einem Qualitätszertifikat abgeschlossen werden kann. Die Grundzüge des Bildungspakets will der Reisebüroverband aiuf der ITB 2022 vorstellen.
Mit der Ausarbeitung des Programms hat der VUSR Sandra Rochnowski beauftragt, Professorin für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Tourismusbetriebswirtschaft an der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin (HWR Berlin). Die Expertin hat bereits einschlägige Erfahrung auf dem Gebiet: Unter anderem entwickelte sie das Green Sign, eines der führenden Nachhaltigkeitssiegel der Hotellerie, sowie den Green Spoon, ein Siegel für nachhaltige Gastronomie.
Sie freue sich besonders, "auch ein Zertifikat für den stationären Vertrieb als Qualitätsmaßstab zu entwickeln und damit Reisemittler in der Außenwahrnehmung gegenüber Kunden zu stärken", sagt Sandra Rochnowski.
Das Fort- und Weiterbildungsprogramm des VUSR sollen Reisemittler mit einem Zertifikat abschließen können. "Geplant sind verschiedene Lehrmodule, die aufeinander aufbauen, die aber auch einzeln absolviert werden können", so die Professorin. Um das abschließende Zertifikat zu erhalten, müssten allerdings alle Module erfolgreich abgeschlossen werden. Dies werde voraussichtlich ein Jahr dauern.
Inwiefern Präsenzseminare und Prüfungen im Rahmen des Aus- und Weiterbildungspakets erforderlich sind, stehe noch nicht fest. "Die Erfahrung lehrt jedoch, dass es für viele Lernende durchaus motivierend sein kann, wenn sie die Möglichkeit haben, sich mit anderen Teilnehmern persönlich auszutauschen", sagt Sandra Rochnowski.
Das Gesamtpaket werde so angelegt sein, dass es sich sowohl an Reisebüro-Mitarbeiter richtet, als auch an Reisebüro-Inhaber. "Außerdem können sowohl Quereinsteiger als auch erfahrene Reiseverkäufer, die ihr Wissen auffrischen und aktualisieren möchten, von der Qualifizierung profitieren."
Inhaltlich wird ein wichtiger Schwerpunkt auf Betriebswirtschaft liegen, konkret etwa Buchhaltung, Personalführung und Marketing. Zudem sollen Reiserecht und Technik-Themen eine starke Berücksichtigung finden. So werden unter anderem die in Reisebüros häufig genutzten IT-Systeme eine wichtige Rolle spielen, aber auch Social Media. Ein Extra-Modul ist zum Thema Nachhaltigkeit geplant.
"Berufsausbildung mit Lücken"
"Ziel ist es, den Vertrieb in allen entscheidenden Bereichen so auf den neuesten Stand der Dinge zu bringen, wie es für die anspruchsvolle Tätigkeit des Reiseverkaufs heute erforderlich ist", sagt Sandra Rochnowski. Das Maßnahmepaket werde auch Themen aufgreifen, die innerhalb der herkömmlichen Ausbildung zur Tourismuskauffrau/zum Tourismuskaufmann ihrer Meinung nach vernachlässigt würden. "Die Lehrinhalte weisen teilweise erhebliche Lücken auf, etwa in den Bereichen Technik und Social Media", erläutert die Professorin.
„Ich freue mich sehr, dass wir eine so renommierte Expertin für unser Vorhaben gewinnen konnten“, sagt die VUSR-Vorsitzende Marija Linnhoff. „Wir haben immer gesagt, dass es notwendig ist, die Tätigkeit des Reisemittlers in Deutschland insgesamt auf ein höheres Niveau zu heben.“ Dabei gehe es vor allem um das Vertrauen der Verbraucher in diesen Vertriebsweg. „Nur wenn sich die Beratung und die Betreuung Reisender im Reisebüro in der Qualität deutlich vom Online-Vertrieb unterscheidet, werden stationäre und mobile Mittler eine Zukunft haben“, erläutert Linnhoff.
Der Anspruch des VUSR sei dabei nicht weniger, als eine Benchmark in Sachen Qualifikation für die gesamte Branche zu schaffen "Ich möchte, dass der Endkunde das Siegel kennt und dass er gezielt Reisemittler aufsucht, weil sie das Siegel in ihrem Schaufenster oder auf ihrer Website präsentieren." Ziel sei es "eine Art TÜV für den Reisevertrieb zu schaffen".
Wie viel die Teilnahme an einzelnen Modulen sowie der Erwerb des gesamten Zertifikats kosten werden, sei noch offen, sagt die VUSR-Vorsitzende. "Man kann sich ja gut vorstellen, dass die Entwicklung eines solchen Gütesiegels nicht ganz preiswert ist."
Sicher sei jedoch: Die Teilnahme werde für alle Reisebüros erschwinglich sein. "VUSR-Mitglieder werden jedoch einen besonders günstigen Preis erhalten. Mir geht es schließlich in erster Linie darum, die Mitglieder meines eigenen Verbands nach vorne zu bringen."
