Wein tritt die Flucht nach oben an
Sachsen-Anhalt bekommt Potential im Weinbau
Klimawandel im Weinberg
Pro 100 Meter Höhenunterschied habe man im Schnitt ein Grad weniger. Das sei vergleichsweise viel, wenn man bedenke, dass die Temperatur in den vergangenen 30 Jahren in der Vegetationsperiode von April bis Oktober in den deutschen Weinregionen um gut ein Grad gestiegen sei. «Seit 1988 ist es so, als wenn irgendjemand die Heizung angedreht hätte.» Es werde immer wärmer. Auch im Rheingau versuchten Winzer, in die Höhe zu gehen.
Nicht nur an der Mosel findet derzeit eine Wiederentdeckung der höheren Weinbergslagen - der sogenannten oberen Riegel - statt. «Es ist schon insgesamt ein Trend, dass Winzer versuchen, dem Klimawandel etwas zu entfliehen», sagt der Sprecher des Deutschen Weininstituts, Ernst Büscher, in Bodenheim bei Mainz. Es würden Hänge wiederbelebt, die früher keiner mehr wollte und aufgegeben wurden - weil sie eben kühler und schattiger waren oder in Seitentälern lagen.
Sieger des Klimawandels
Ein Weinbaugebiet in Deutschland profitiere bisher vom Klimawandel: Saale-Unstrut, die nördlichste deutsche Weinregion mit ihrem Schwerpunkt in Sachsen-Anhalt und Thüringen. «Die können jetzt Weine produzieren und haben die Temperaturen, die wir vor etwa 20 Jahren hatten», sagt Büscher. «Da ist das Thema Flucht nach oben noch nicht so da.»
Viele Winzer reagierten auf die höheren Temperaturen auch mit einer geänderten Weinbergsarbeit, sagt der Geschäftsführer des Vereins Moselwein, Ansgar Schmitz, in Trier. Zum Beispiel könne man mit einer niedrigeren «Laubwand», also weniger Blättern, die Reife verzögern. Oder man schneide die Rebe im Frühjahr nicht ganz so stark zurück, damit die Pflanze mehr Früchte mit dann geringerem Fruchtzucker produziere. Umstritten ist, einfach früher zu ernten - weil die Trauben dann eigentlich noch nicht richtig reif sind. Die als «obere Riegel» bezeichneten Lagen seien ideal für leichtere Weine, sagt Schmitz.
Die Zukunft der Regionen liegt im Genuss
«Am Markt wächst die Nachfrage nach filigranen Weißweinen. Das hat mit dem Lifestyle zu tun, es wird wieder mehr auf den Alkoholgehalt geachtet.» So Schmitz
Da entwickelt sich Potential bei den Weinanbaugebieten an Saale und Unstrut für die kommenden Jahre. Das handwerkliche Können der Winzer ist im Weinberg und beim Ausbau der Weine gefragt. Diese Weine bilden die regionalen kulinarischen Besonderheiten für die Gäste und Touristen.
